Begeisterungsfähig

Frühling, Wildblumen, es riecht nach nach frisch gemähtem Gras
ein Tag so wunderschön, wie von Göttern gemacht,
Die Luft war voller Liebe und da war noch etwas mehr,
man konnte ihn greifen, diesen ganz besonderen Flair.
Da trafen sich meine Eltern. Und sofort knisterte es schwer:
Wie in einer RomCom zwitscherten die Vögel von den Bäumen her:
„Ti amo, Ti quiero, je taim de tout mon coeur!
Und die kluge Eule zwinkerte zu ihrem Freund, dem alten Bär,
und beide wussten: Bingo! Geschlechtsverkehr!

Pure Magie! Und 9 Monate später war ich da. Yeah.
Hab noch nichts geleistet, aber bin direkt ein Europäer,
Was für ein Riesenglück für Baby Danny, ohne zu übertreiben!
Ich werde niemals leiden unter Trinkwasserknappheiten,
Zwangshochzeiten oder blutiges Streiten um Mahlzeiten.
Nein, ich bin geboren mit sämtlichen Freiheiten
und kann so endlos viele Chancen ergreifen,
ich bin eine winzige Nussschale in einem Meer voller Möglichkeiten.

Und boaaaah, das ist ein Privileg, sollte man meinen, …
nur sind es so verflixt viele Möglichkeiten.
und jetzt beginne ich unter meinem First- World-Problem zu leiden,
denn unter all meinen endlosen Möglichkeiten, muss ich mich für irgendwas ENTSCHEIDEN!

und zwar, mir wird ganz schlecht und schwindlig, VERBINDLICH!

Ich muss also nicht einfach überleben,
nein, ich brauche ein super- duper Über-Leben,
aber das ist gar nicht so leicht, denn laut Insta sind mir alle anderen überlegen.

Was soll ich also machen, ich weiß es einfach nicht.
Jeder rät mir, höre einfach tief hinein in dich
Also schließe ich die Augen und lausche, was mein Herz spricht.
Es sagt: “Tok tok, tok tok ”Digger! Ich weiß es doch auch nicht!
Ich schlag hier nur deine Zeit tot und in 50 Jahren endet die Schicht.”

Und so renne ich immer der nächsten großen Sache hinterher,
Die wogenden Wellen meiner wirren Wünsche werfen und wirbeln mich hin und her,
aber es ist wie es ist, ich kann es nicht ändern und kann nichts dafür,
ich liebe es einfach, wenn die Welt mich berauscht und inspiriert,
und eine neue Idee mich elektrisiert und infiziert.

Und was hatte ich nicht schon alles für Ideen,
ich wollte einsam und verwegen in den schneeverwehten, entlegenen Gegenden von Schweden leben,
Straßenkünstler werden und mit einer Gruppe Phantomimen durch die Welt ziehen,
dann dachte ich müsste Reichtum erzielen und unendlich viel Geld verdienen,
zum Beispiel als Vorstand von Nestle, mit verzuckerten Produkten für Baby – Zielgruppen
Wobei “verdienen” würde ich das Geld dann ja eher nicht,
”verdienen” würde ich dann eher einen Schlag ins Gesicht.

Also doch lieber wieder backpackender, umweltrettender Forscher und Entdecker,
oder ein bei Herbstwetter über Herzschmerz wetternder Beststeller- Schriftsteller,
aber manchmal wäre ich gerne scheiß reich wie Dubais Scheich mit meinem eigenem Schloss,
aber dann doch lieber Arm in Arm arm sein mit meiner Freundin im Pariser Dachgeschoss.

Ich wollte als Journalist Skandale aufdecken,
als Pianist Noten zum Leben erwecken,
dann wieder als kaltblütiger Killer korrumpierte Kriegstreiber massakrieren,
oder als friedvoller Vermittler in internationalen Beziehungen mediier´n.
Ich wollte ÄÄÄH Trommmelkunde studier´n
den verdammten Kapitalismus reparier´n.
die Welt aus ihren Angeln heben, feucht durchwischen und alles gerecht verteilen und sortieren, Im nächsten Moment doch lieber in die Berge emigrier´n und für immer in einer einsamen Höhle meditier´n…

Meine Begeisterung kann Berge versetz´n als wär´n sie aus Papier,
also könnte sie, aber meistens zerrt es nur an mir.
Ich will einfach alles könn’ und alles machen,
aber halt meist nicht länger als eine Woche.

Meine Begeisterung lässt mich die schönsten Sprachen erlernen (zumindest das erste Kapitel),
sie lässt mich die höchsten Gipfel erstürmen (zumindest kauf ich mir die Stiefel),
ey, und wehe, du sprichst meine Sprunghaftigkeit an, da bin ich echt sensibel
Und während ihr jetzt sagt: “Junge, was ist das denn für ein Spinner?”
höre ich schon nicht mehr zu, gucke “Höhle der Löwen” und denk: “ich glaub, ich werd’ Erfinder”.

Ich könnte es mir ja auch einfach machen, und nur eine einzige Sache einfach machen
aber meine Begeisterung wird mich immer wieder verführen,
vielleicht doch nochmal eine andere Sache zu probieren,
Denn da ist dieses ewige Feuer, es lodert tief in mir.
früher löschte ich es einfach mit literweise Schnaps und Bier,
denn die Welt ist einfach so gottverdammt laut, und mein Kopf hört überall hin, passt auf und schnappt alles auf, also nahm ich den Stoff
und es ging: Flasche “plopp” auf und endlich Kopf aus!
und was habe ich mir dadurch nicht schon alles verbaut,
mich meiner eigenen Motivation und Lebenssinns beraubt,
und saß am Ende wie ein Häufchen Elend im Staub.

Aber mittlerweile, ja, manchmal, schaff ich es mich auf EINE Sache zu konzentrier´n, kanalisiere dieses Feuer und versuche es zu kultiviern, und dann, ohne zu verbrennen, halte ich es den Händen so, dass jeder es seh’n kann mit dem Ergebnis, dass ich heute hier vor euch steh´n kann.

Und jaja, meist scheitere ich, aber bin ich dann wirklich gescheitert? Denn ich scheiter ja auch am Scheitern, das heißt irgendwie bringt es mich weiter. Und so scheiter ich immer weiter, denn ohne scheitern gibt es kein “Gescheiter”


Und so komme ich auch schon ans Ende meines kleinen Gedichtes, und wenn du jetzt denkst, dass der Typ auf der Bühne nicht ganz dicht ist, kann ich dir nur eins sagen, und ich hoffe wirklich du vergisst nicht,


ich sollte mal wieder Ukulele spielen!

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