Kopf? Klappe!

Unser wunderschöner Planet wird irgendwann nicht mehr sein.

Totenstill und düster. Ausgelöscht. Nur noch ein kalter Stein.

Gezwitscher, Lachen – all das wird irgendwann enden.

WARUM, verdammt, also Zeit damit verschwenden,

so viel zu grübeln, zu spekulieren und zu denken?

Mein Kopf – dieser verdammte Idiot-

er liebt es mich zu quälen.

Er flüstert: „Irgendwann sind wir eh alle tot.“

„Stimmt!“ sage ich, „aber bis dahin können wir leben!“

Warum kann ich nicht einfach weniger denken?

Meinem überhitzten Kopf etwas Ruhe schenken?

Damit meine ich jetzt nicht einfach nur dumm zu sein,

damit meine ich, geistig gesund zu sein.

Denn der Kopf allein kann grausam sein- ein furchtbarer Despot.

Ein Egomane und Alleinherrscher, ein Riesenidiot.

Und das ist mein Problem: Ich fühle zu wenig – und denke zu viel.

Mein Herz schweigt, während der Tyrann befiehlt.

Wer zu viel denkt und zu wenig fühlt

trifft Entscheidungen voller Kalkül.

Entscheidungen voller Logik – aber ohne Vernunft,

Ein intellektuelles Meisterwerk – aber so richtig dumpf.

Ich weiß, dass für mein Handy Kinder im Kongo in Bergwerken sterben,

wenn sie dort schürfen, im Dunkel, nach Metall und seltenen Erden.

Ich weiß, dass für meine Avocado Dörfer geflutet werden,

dass wir in Billigfliegern den Himmel verpesten,

und uns dann noch über den langen Flug beschweren.

Und mein Herz schreit und tobt, weil ihm das nicht gefällt,

aber mein Kopf ist mit Ausreden praktischerweise ganz schnell:

„Bla bla bla, sonst esse ich ja nur lokal – im Lokal.

Rette Volkswirtschaft, Gastwirtschaft und die Welt,

wenn ich Pastinakenschnitzel aus der Region bestell.

Und ich flieg doch auch keine Kurzstrecke, nur Langstrecke!

Und mein Handy werde ich garantiert recyclen, jede Wette.

Bis dahin liegt es im Schrank mit den anderen Geräten in der Kiste-

und bildet damit die größte Kobaltmine außerhalb der afrikanischen Küste.


Ohne das Herz ist der Kopf ein Nichts.

Ohne Gefühl ist die Logik ein Gift.

Denn, klar, es ist logisch Geld und Reichtum zu häufen und zu häufen

und Eigentum zu eigentümen, Gegner zu besiegen und zu erdolchen.

Aber ist das unser Sinn? Wurden wir dafür auf diesen Planeten geworfen?

Nur hier um zu raffen, zu horten und zu morden?

Treibt uns dazu das Herz? Nein, das denke ich nicht!

Es ist doch vielmehr die Logik,

die Ausbeutung und Unterdrückung messerscharf rechtfertigt!

Der Kopf, und nur der Kopf, greift zum Handy.

Will alles haben, was er auf Instagram sieht.

Dein Kopf vergleicht dich mit der ganzen Welt –

und erzählt dir, dass du dir nicht gefällst.

Obwohl dein Herz doch flüstert, dass es dich liebt.

Fake News, Hate Speech und Influencer,

schweben durch meinen Kopf wie Gespenster.

Ich schalt ihn aus, schalt das Internet aus, verlass das Haus

Besuch mich mal wieder selbst und geb´ mir einen aus.

Sag meinem Herzen Hallo und trink auf die guten Zeiten,

die, die schon waren und die, die uns erwarten.

Denn wenn ich nicht so viel denke, denke ich auch weniger an mich.

Denn mein Herz denkt immer auch an dich. Und deines an mich.

Weniger Gedanken bedeutet auch – weniger Hintergedanken.

Was ich fühl, das sage ich dir. Kein Gefallen, nur um zu gefallen.

Keinen Gedanken ans netzwerken mit Leuten vergeuden,

die meinen, ihr Geschwätz würde was bedeuten oder erfreuen.

Ich will mein Leben nicht verschwenden mit Logik und Business,

um mit „Kontakten“ rumzuhängen, glänzend und blendend wie Displays.

In der Beziehung mit Menschen will ich auf mein Herz hören,

ich spüre schon was richtig ist, lass die Logik das nicht zerstören.

Denn Gedanken können alles ordnen nach Klassen und Sorten,

aber ich will mein Leben füllen mit Gefühlen, die überborden.

Aber Vorsicht! Damit meine ich nicht Hass. Hass braucht Gründe.

Hass braucht Gedanken und selbstgerechte Logik zum zünden.

Im Gegensatz zu einem echten Gefühl wie der Wut.

Die entsteht im Herz. Sie kommt und geht, dann ist wieder gut.

Mit zu viel Denken kann ich mich hervorragend vor der Realität verstecken.

Egal was mein Herz will, der Kopf findet fünfzehn Gründe, die dagegensprechen.

Und dann sitze ich da, in meinem intellektuellen Turm aus Elfenbein.

Sitze da und rechtfertige mich mit „ginge ja eh nicht“ und „hätte, könnte sein“…

Manch Intellektuelle haben sich so weit von ihrem Herzen entfernt,

und haben aus ihren Büchern so viel gelernt,

dass sie Hilfe verweigern mit der logischen Begründung alter Geschichte,

während ihre Argumentation die Gegenwart von Kriegsopfern vernichtet.

Reine Logik blickt nur nach hinten,

das Herz will aber nach vorne sprinten.

Finde die Balance, finde dein Gleichgewicht.

Und mach es bitte nicht wie ich:

Der sagt „denk nicht zuviel“

und schreibt dann hundert Zeilen Gedicht.

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