Krank, sich nicht krank zu melden

Ich habe ein Geheimnis aus längst vergessenen Zeiten.
Das ultimative Mittel, um Krankheiten zu heilen,
Sich zu regenerieren und von allerlei Leiden zu befreien.
Ich erzähle euch von meinem Lifehack: Krankschreiben.

Früher war ich mal einer von ihnen,
den Workaholics, den eifrigen Arbeitsbienen,
die die mit vor Wut verzerrten Mienen,
von Termin zu Termin durch die Rushhour fliegen!

Ich habe nonstop wie bekloppt gekloppt,
das Büro war meine Kirche und der Job war mein Gott!

Hat mich dann mal eine Krankheit wirklich niedergestreckt,
hab ich im Bett  wenigstens noch die E-Mails gecheckt,
um leidend, aber voll überbordender Verantwortung zu antworten,
damit der Kollege weiß, ich gehör zu den ganz harten Sorten,
und werde auch im Angesicht meines Todes noch heroisch supporten.

Und natürlich, um alle in der Firma zu beeindrucken.
Spoiler: Niemand war beeindruckt.

Dumm, oder? Denn ich war doch vollkommen machtlos?
Saß im Bett mit Laptop ratlos und kraftlos,
und guckte auf das kleine Fenster in meinem Schoß,
unheilvoll, wie eine Kuh in das Innere eines gläsernen Schlachthofs.

Und dann, ich war noch nicht mal richtig auskuriert,
Bin ich sofort brav in die Firma marschiert.
habe dort  gut gelaunt die ganz Firma infiziert,
und auf die Frage „Wie geht es dir?“,
heldenhaft mit „Schnieeef, ja muss ja, ne!“ reagiert.

Die Anerkennung meines Gegenübers war mein Orden!
obwohl sein Gesicht eigentlich aussah, wie  „ Hast du den Verstand verloren?“

Und so  zerrte ich von  meiner Lebensuhr, ohne sie hin und wieder
aufzuziehen,
ich mein, ich war jung, mein Körper hat mir alles verziehen.
Was irgendwann gekommen wäre, war mir irgendwie klar,
mit Mitte 40 der Schlaganfall, und mit 60 der Infarkt,
und von der Arbeit eine mitfühlende und emphatische Karte
mit dem Text: „Denk an die Krankschreibung, sonst streichen wir dir
Urlaubstage“.

Und ihr fragt euch bestimmt: „Wow, da war dieser Danny so fleißig,
da musst du doch krass verdient haben, und zwar reichlich!“
(betretenes Schweigen, in der Ferne spielt eine traurige Geige)
Aber wisst ihr, ich bekam was Besseres als gutes Gehalt oder Urlaub!
Und zwar die Anerkennung meines Chefs und ich wurde hinter den Ohren gekrault.

Denn ich war ein guter Junge,
ja so ein guter Junge,
soooo ein braver Junge,
wer ist ein guter Junge,
wer ist ein guter Junge,
was für süße Augenringe er hat,
schau doch mal,
und wie desillusioniert er mit dem Kaffee in der Teeküche herumsteht,
süüüüüß,
hier, schau mal, willst du die Beförderung?
ja, willst du, willst du?
Dann LOS!! Hol sie dir!

Haha, ich hab gar nicht wirklich geworfen,
guck mal, wie verzweifelt er sucht,
hahahahaha, so ein süßer Dummkopf!
Und wisst ihr, was ich total vergaß,
während ich so aufopfernd alles gab?

Mein zukünftiges Ich!

Denn in der Gegenwart nahm ich mir von mir mehr als mir zustand,
obwohl ich schon ahnte, bezahlen wird Zukunfts- Danny mit seinem Zustand.
Denn ich war eigentlich nie ganz gesund, nie ganz krank,
am ganzen Körper verspannt,
dachte jeden Morgen, dass ich eigentlich nicht mehr kann,
aber halt auch nicht nicht kann,
bis ich dann, irgendwann,
einfach nur im Auto saß, gefühlt stundenlang,
weil ich einfach keine Kraft zum Aussteigen fand.


Da zog auf einmal Nebel auf, milchig und undurchsichtig, richtig dicht,
ein paar Blitze zuckten, und dann stand da ein Umriss im Laternenlicht!


Der Umriss kam an mein Seitenfenster und klopfte,
ich konnte nicht glauben, was ich da sah, mein Atem stockte,
denn da draußen im fahlen Laternenlicht,
da stand ich!

Also nicht ich, ich saß ja noch im Auto drin, sah ich dank Rückspiegelblick,
aber da draußen, alt und gammelig, stand mein zukünftiges Ich.

Ich glaub, ich seh Gespenster!
Kurbelte die Scheibe runter und steckte den Kopf aus dem Fenster!
Zack, links rechts, fing ich mir  zwei Ohrfeigen,
und sofort fängt der alte Danny mich anzuschreien:
Ich sei ein egoistisches Schwein und was fiele mir nur ein,
weil ich gegenwärtig so dumm bin, muss er zukünftig leiden!
Sein Rücken schmerzt, er ist fett und mutterseelenallein,
hängt am Alkohol und lebt eigentlich nur noch online!

Warum ich ihm das antat, er dachte, wir seien Freunde,
wo ist denn dieser Junge, der so gerne träumte,
der,  der stundenlang im Wald rumstreunte,
und keinen Geburtstag seiner Freunde versäumte?

Wie konnte ich mich, uns, nur so im Stich lassen
und für Gehalt und Anerkennung, und Instagram, die Gesundheit verprassen?

Uff, das war unerwartet. Aber ich verstand!
Und er sah, dass ich verstand und verschwand!
Aber nicht ohne einen Tipp, er sagte zur mir:

„Vertraue mir und investier,
in Nudeln und Klopapier!“
Ich dachte was für ein Schwachsinn,
aber es war ja auch erst 2018!

Am nächsten Tag meldete ich mich krank,
und fühlte mich so schuldig, als überfiele ich ´ne Bank!
Und siehe da, kaum lag ich flach,
hat es nicht lang gedauert und der Staudamm brach:

5 Jahre aufgestaute und unterdrückte Viren brachen aus,
ich will nicht bildlich werden, aber an allen Ecken und Enden kam es raus:
Ich habe vor Hitze gezittert, habe geschwitzt und gebibbert, meine Seele zerknittert, das Gehirn zersplittert,
hing an der Decke wie beim Exorzisten, habe vor Schmerz ins Kissen gebissen,
musste schniefen, röcheln, keuchen, sterben, kotzen,
rotzen, dann wieder Hitze, Kälte, Frost, Vick VapoRup und tausende Tempos,
alles vor dem Hintergrund von Nachmittagstalkshows.
Bin eine Trilliarde Mal ins Bad geflitzt, lag auf dem Toilettensitz aufgestützt,
Vor meinen Augen tanzten bunte Farbtupfen,
ich will nicht übertreiben, aber es war ein richtig doller Schnupfen!

Und seitdem weiß ich, ich muss nicht bis zum zerbersten aushalten,
nein, ich muss mit meinen Kräften haushalten.
Denn Erholungstage nach dem Sport finden wir logisch,
aber Erholungstage nach heftiger Arbeit finden wir komisch.
Ist das komisch?

Wenn ich heute krank bin, dann genieße ich meine Quarantäne,
ich strecke und dehne, meditiere, pflege Zähne, schmiede Pläne, übertreibe Hygiene,
arbeiten an schlechten Witzen, übe wie ein Schneider zu sitzen,
backe Brot,
falls es klingelt, stell ich mich tot,
Leugnen hat einfach keinen Zweck,
sich krankschreiben ist ein Lifehack.

Wenn ich dann krank bin, dann gönne ich mir halt
Esse Eis, sitze in der Sonne, spaziere durch den Wald.
Alles was ich brauche, um mich zu erholen, ist erlaubt.
Denn krank sein ist ja halt richtig geiler Miniurlaub.

Außerdem hilft diese Selfcare, auch der Steuer,
denn ein Herzinfarkt zu behandeln, ist superteuer,
Also bin ich heute nicht mehr so ein dämlicher Spinner,
denn wisst ihr, wer die einzigen sind, die sich in 20 Jahren noch an die Überstunden erinnert?
Nur die Partner und die Kinder!

In dem Sinne, gönnt euch…

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