Mutter Natur – seit Jahrzehnten kämpft sie mit massiven Problemen. Dennoch schafft sie es nicht, die Zielgruppen zwischen 30 und 60 zu erreichen; häufig werden die Probleme von Mutter Natur als zu langweilig empfunden, um mit Gossip, GIFs und Cat Content mitzuhalten.
„Wenn ich noch einen einzigen Orang- Utan sehen muss, der traurig dreinschaut, weil sein Baum abgeholzt wurde, schlafe ich ein“,
lacht Lars D. Ick.
Er wischt sich einen weißen Krümel von der Nase und erzählt:
„Die Natur hat ein Imageproblem und die Natur hat ein Verkaufsproblem. Da müssen Profis ran. Deswegen habe ich mich und meine Agentur selbst engagiert. Ab heute wird Mutter Natur in allen PR- Fragen unterstützt vom „D. Ick Headquarter PR Agency“.
Ick fährt fort:
„Probleme hat Mutti Natur ja reichlich. Aber, let´s be honest, die sind ja eigentlich eher gääähn, oder? Damit lockt man doch keinen Hund hinterm Ofen vor und schon gar keinen Konsumenten hinterm Screen.
Nein, das muss knackig erzählt werden; wir brauchen Probleme, mit denen der Konsument sich identifizieren kann: Diäten, Sex, Intrigen. DAS wollen die Leute! Boom. Pow. Bämm!
Wir werden die Natur als Brand wieder back to the top bringen und die Customer Relation maximal pushen. Geil.
Hier meine Strategie. Wir attackieren auf allen Kanälen:
Als erstes schicken wir erstmal ein paar Pflanzen in die Talkshows. Sowas wie „Frühlingsgefühle und Samenraub! Hummel hat mich ungefragt bestäubt!“ Das wollen die Leute sehen.
Dann schwenken wir auf die Frauenmagazin- Zielgruppe, zum Beispiel „Eisbär- Damen freuen sich über Bikinifigur- Dank Klimawandel schmelzen Polkappen UND Pfunde“.
Naaa, das liest sich doch schon ganz gut, oder?“
Während Ick erzählt, zappelt er auf seinem Stuhl hin und her. Er redet weiter:
„Dann wird es richtig drastisch. Wir holen den Hammer raus und platzieren die Themen von Mutter Natur in den Boulevard- Blättern, hier zack zack:
- Hummel empört: Biene hat meine Butterblume bestäubt!
- Eine Geranie packt aus- ich wurde bestäubt und weiß nicht wer der Vater ist.
- Nadelbaum packt aus: „Ich lasse mir die Blätter seit Jahren grün färben.“
- Die große Bienen- Beichte: so bumsfidel geht es beim Bestäuben zu.“
Ick ist mittlerweile auf seinen Tisch gesprungen. Wie ein Fechter springt er vor- und zurück und sticht mit seinem Handy dabei Löcher in die Luft:
„Die großen Beziehungsdramen dürfen natürlich auch nicht fehlen, hiermit machen wir eine Miniserie auf Netflix: ‚Sommer und Winter im Rosenkrieg: wer bekommt das Sorgerecht für den April?'“
Atemlos klettert er von seinem Schreibtisch runter. Seine Designerbrille ist ihm auf einer Seite vom Ohr gerutscht, er guckt nur noch durch ein Brillenglas. Er erläutert schnaufend:
„Tiktok, Youtube, und so weiter, haben wir natürlich auch alles drin:
- Die Artensterben- Challenge: wieviele Arten können wir retten
- Klimawandel- Challenge: wer ist heißer- du oder die Erde?
- Das große Waldbrand- Battle: Mensch vs. Mutter Natur: wer verursacht die krassesten Brände“
Ick keucht, seine Kiefer mahlen, Schweißperlen glänzen:
„Im Grunde kann ich direkt starten. Leider kann Mutter Natur nicht zahlen. Daher soll eigentlich ihr Ex- Mann die Rechnung begleichen. Leider reden die beiden nicht so häufig miteinander.
Aber den koche noch weich. Wer war der Typ gleich nochmal? Ach ja, Vater Staat.“
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