Utopie

Hach ja, war es damals nicht supergeil in
diesen ominösen guten alten Zeiten?
Leben war einfach einfach. Keiner musste sich täglich stressen,
mit der immergleichen Frage: WAS WOLLEN WIR HEUTE ESSEN?
Die Antwort war einfach: Es gibt nix! Oder wenig. Oder Brei!
… Das war geil!


Oder Urlaub. Sich den zu merken ist ebenfalls super einfach
Urlaub hast du dann, wenn die Fabrik dich restlos verheizt hat
Um Kita- Plätze kümmern war damals gar kein Problem.
Denn 18 von deinen 20 Kindern werden den Winter eh nicht überleb’n. (Daumen hoch)
Und für deine Rente musst du auch noch vorsorgen 
und an geheimen Orten dein Geld horten?
Mach dir da mal keine Sorgen- entweder werden dich die Horden
des königlichen Ordens ermorden
oder du bist mit mitte vierzig qualvoll an einem Schnupfen gestorb’n.

Und die Demokratien; sie waren aufgeschmissen
gegenüber Faschisten und Kolonialisten,
die, besoffen von sich selbst, die Welt in Einzelteile rissen.
Niemand grätschte mal dazwischen. Kein Freund redete ins Gewissen,
und fragte, voller Liebe:
“Napoleon, wer hat dir ins Hirn geschissen?”

Die “guten, alten Zeiten” waren scheiße!
Sie waren brutal, ungerecht und intrigant.

Es war so schlimm, dass man kurzerhand 

das Schlaraffenland erfand.

Aaachjaa, der Ort unserer unerfüllten Sehnsüchte,

eine Vision, in die man sich gerne flüchtete.
Das Land in dem Milch und Honig fließen,
und dir Brathühnchen in den Mund reinfliegen,
wie … Fliegen … einem Biker … auf der A7.


Und jetzt?

Schaut euch um, was wir hier geschaffen hab’n!
Wir leben in der Utopie unserer Vor-Vor-Vor-Vorfahren.
Milch und Honig fließen im Fluss – im Überfluss.
Brathühnchen kommen per Boten auf Knopfdruck via App geflogen.


Wir sollten glücklich und zufrieden sein, sollte man meinen.
Aber schauen wir genau hin, erblicken wir die Schattenseiten.
Für die Milch schwängern wir die Kuh und trennen sie dann von ihrem Kalb,
zapfen sie mit Maschinen leer, während das Kleine nach seiner Mama schreit.
Und die Hühner sind so randvoll mit Antibiotika gespritzt-
übrigens ist das auch der Grund, warum Hühnersuppe bei Erkältung nützt.


Ja also, wir haben es geschafft und sind sicher und satt.
Aber welchen Preis haben wir dafür gezahlt?
In jedem Fall, war es einfach viel zu wenig, ist so.
Und jetzt steh’n wir knietief im ökologischen Dispo.


Ja, man hätte es ändern können, aber keiner hats gemacht,
Denn Exxon, Esso, Shell und Co., sie nutzten ihre Macht,
verbreiteten falsche Studien und brachten uns die dunkle fossile Nacht.
Und jetzt ist nicht mehr 5 vor 12- sondern schon fünf nach.

Es ist zu spät, das war´s. 

Wir können also aufgeben!

Einfach zurück lehnen 

und die Hände in den Schoß legen.

Aber dann lass uns noch eine letzte globale Abrissparty schmeißen.
Und uns wie manche Superreiche so richtig in die Scheiße reiten.
Zum Beispiel mit dem SUV durch den Dschungel heizen,
einen Orang- Utan ohrfeigen, auf Elefanten herumreiten,
und sie danach auf den Grill schmeißen!
Mit Baby- Schildkröten Frisbee spielen,
und Joghurtbecher vor dem trennen endlich mal nicht spülen.
Vielleicht noch ein letztes Mal mit der gesamten FDP im AMG
nach St. Tropez bei Cannapee und Chardonnay.
Es ist doch egal. Schließlich ist es zu spät.
Wir können nix mehr machen. Es hat sich – ausgelebt.

Reingelegt. Von wegen “es hat sich ausgelebt”!
Als hätten wir jemals aufgegeben!
Wer hat denn vor Urzeiten das Feuer gezähmt?
Wer hat sich denn vom Boden in die Lüfte erhoben,
blieb kurz dort oben und ist dann weiter zum Mond geflogen?
Wer hat sich trotz tausend Katastrophen, immer wieder für Gerechtigkeit erhoben?
Wer ist auch in den finstersten Epochen,
nicht einfach zusammengebrochen,
sondern hat sich immer wieder aufgerichtet,
und die Geschichte gerichtet.
Wer hat Gedichte gedichtet und Kunst erfunden?
Wer hat Gewaltherrschaften überwunden,
und wer hat die gottverdammte Pizza erfunden?


Ja, ganz genau, das waren nämlich auch wir.
FCKW, Blei, Asbest, wie viele Beweise brauchen wir?
bis wir glauben, dass wir es schaffen, unsere Fehler zu reparier’n.

Wir könnten es schaffen. Nein! Wir. können. es. schaffen.
Ja, wenn wir uns selber denn lassen!
Denn wie alle Lebewesen wollen wir wachsen.
Und Wachstum ist gut, Wachstum ist wichtig.
Das Ding ist, hauptsache wir wachsen richtig.


Und um richtig zu wachsen, brauchen wir das richtige Ziel.
Und für das richtige Ziel brauchen wir eine neue Utopie.
Wir wenden also den Trick unserer Vorfahren an,
und erschaffen uns ein neues Schlaraffenland.
Stellt es euch also vor, unser Schlaraffenland:


In der Zukunft leben wir in grünen Städten auf einem gesunden Planeten,
und wir fliegen mit Jetpacks und Luftschiffen emissionsfrei durch die Gegend.
Die Natur hat sich erholt. Alles sprüht vor schierer Vitalität,
die Meere sind im Lot, alles blüht vor Biodiversität.


Und in jedem Land herrscht Wohlstand- für alle.

Keine fetten Übergewinne für einen und Hunger für zehn andere.
Und wir befreien uns nicht mit Gewalt vom Neo- Liberalismus- neeein.
Wir lassen ihn still zurück – wie damals den Opa im Pflegeheim!


Und in unserem Schlaraffenland hat keiner mehr Bock auf manipulativen Populismus,
Stattdessen fordern wir lautstark mehr konstruktiven Journalismus.
In dieser Zukunft ist für die Bild- Zeitung die Zeit um, Welt ist aus der Welt, RTL 2 ist vorbei.
Also Schluss mit der Lethargie und Weltuntergangsdystopie
Nutzen wir die Energie unserer Phantasie und erschaffen eine neue Utopie.


Wir müssen uns auf die Zukunft freuen.
Wir müssen endlich wieder träumen!
Und wenn wir damit fertig sind,
spucken wir in die Hände und beginnen aufzuräumen.

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